Pharma

Moritz Eidens von MainzBiomed: "Unternehmertum und Forschung müssen sich vernetzen, um voneinander zu lernen"

Erstellt am: 19.08.2022

 

Das Unternehmen MainzBiomed hat einen Früherkennungstest für Darmkrebs entwickelt. Im Interview spricht Chief Security Officer Moritz Eidens über die Potenziale von ColoAlert und inwiefern die Digitalisierung für Probenerfassung und Befundung in seiner Branche eine entscheidende Rolle spielt.

 

Herr Eidens, in Deutschland erkranken jedes Jahr mehr als 60.000 Menschen an Darmkrebs. Ihr Unternehmen MainzBiomed hat mit ColoAlert einen Früherkennungstest dafür entwickelt. Warum?

Mit unserer Analysetechnik möchten wir die Diagnostik von Darmkrebs weiter ausbauen. Fakt ist: Bei der Erkennung von Darmkrebs ist die Koloskopie weiterhin der Goldstandard. Doch die Überwindung zur Darmspiegelung zu gehen, fällt vielen Menschen schwer. Patientinnen und Patienten müssen zuvor eine Darmreinigung vornehmen, manchmal ist ein Beruhigungsmittel notwendig, die Untersuchung ist vielen unangenehm. Mit unserem Test bieten wir eine sehr solide, nicht-invasive Alternative.

Wie funktioniert ColoAlert?

In unserem Patienten-Kit befinden sich zwei Röhrchen und eine Testanleitung. Anwenderinnen und Anwender geben eine Stuhlprobe ab und schicken diese an unser Labor in Mainz oder an eines unserer Partnerlabore. Dort wird der Stuhl auf genetische Veränderungen sowie okkultes, also verborgenes, Blut untersucht. Denn auch beim Darmkrebs mutieren in erster Instanz die Zellen des Darms, die stetig in den Stuhl abgegeben werden. Mit der PCR-Technologie können wir die Stuhlprobe auf Tumorsignaturen untersuchen - und in der Kombination das Blut im Stuhl als wertvollen Bio-Marker nutzen.

 

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Wie hoch ist die Erkennungsrate?

Im Vergleich zur Koloskopie, die Darmkrebs bis zu 100 Prozent nachweist, zeigt unser Test eine Sensitivität von 85 Prozent. Das heißt: bei 85 Prozent der Patientinnen und Patienten, die nach unserem Test eine Darmspiegelung durchführen ließen, bewahrheitete sich somit unser Ergebnis.

Aktuell läuft eine Studie in Deutschland und Norwegen zu ColoAlert. Welches Ziel steckt dahinter?

Wir evaluieren in dieser Studie ein neues Set von Bio-Markern. Eines der Ziele ist es dabei, Darmkrebs und fortgeschrittene Adenome insbesondere in den frühen Stadien noch besser zu erkennen.  Die verwendeten mRNA-Biomarker haben bereits in einer Studie gezeigt, Polypen zu erkennen, bevor ein Krebs sich entwickelt hat. Somit stellt dieses Biomarker-Panel potentiell eine effektive Möglichkeit dar, Darmkrebs nicht nur früher zu erkennen, sondern zu verhindern.

Wer sind Ihre Patientinnen und Patienten?

Männer und Frauen zwischen 45 und 90 Jahren bestellen unseren Test. Die Anwender schätzen dabei besonders, dass sie die Probensammlung unabhängig von zu Hause oder jedem anderen Ort der Welt durchführen können. Mit unserer einfachen Anwendung erreichen wir eine Kundenzufriedenheit von 98 Prozent.

Patienten und ihre Bedürfnisse sowie die Digitalisierung stehen im Fokus der Pharmabranche. Wie nehmen Sie die Entwicklung wahr?

Die Digitalisierung prägt unsere Gesellschaft und die Forschung. Bioinformatische Auswertungen und künstliche Intelligenz spielen eine immer größere Rolle. Unternehmen dürfen sich diesen Innovationen nicht verschließen – andernfalls werden sie mittelfristig von anderen überholt.

Wir sehen auch einen verstärkten Trend zum Point of Care, also der patientennahen, dezentralisierten Labordiagnostik, und „at home testing“. Die Corona-Tests sind dafür ein sehr anschauliches und aktuelles Beispiel. Diesem Trend und dem damit einhergehenden Bedarf begegnet der ColoAlert Test mit seinen Eigenschaften in perfekter Weise.

Was bedeutet das für MainzBiomed?

In unserem Metier spielt die Digitalisierung für Probenerfassung und Befundung eine wachsende Rolle, die Laborlandschaft ändert sich fundamental. Während früher alle Daten auf Papier gesammelt und ausgewertet wurden, arbeiten wir inzwischen mit Barcode-Scannern und modernen Datenerfassungssystem, die Informationen direkt digital abspeichern.  

Wie wird die klinische Forschung in zehn Jahren aussehen?

Maschinelles Lernen und künstliche Intelligenz werden die klinische Forschung weiter prägen, Prozesse werden immer weiter digitalisiert und automatisiert. Für diese Arbeitsabläufe werden CROs weiterhin eine wichtige Position einnehmen, um Studien zu planen und zu unterstützen. Zulassungsverfahren werden in Zukunft flexibler und beschleunigt werden – ein gutes Beispiel hierfür ist die Coronapandemie und die Impfstoffentwicklung von Biontech. Damit werden regulatorische Anforderungen zu einer Herausforderung – auf der einen Seite machen sie Zulassungsverfahren komplexer, auf der anderen Seite garantieren sie Qualität. Als Unternehmen sind wir an einer stetigen Verbesserung der Produktqualität interessiert und sehen das als Chance, unsere Tests zu optimieren und so wettbewerbsfähiger zu werden. Dazu gehört auch der Austausch mit der wissenschaftlichen Community. Wenn wir gemeinsam Innovationen voranbringen möchten, müssen sich Unternehmertum und Forschung vernetzen, um voneinander und miteinander zu lernen und so die Zukunft zu gestalten.